„Fleiß, Glaube und Mentalität der Familie sind auch bei der Arbeit Wegweiser“ - Interview mit Eva Waldmann-Baudentisztl, der Vorsitzenden des Entscheidungsausschusses der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen für öffentliche Beschaffungen

21. November 2018 - 11:35 - Quelle: - 0 kommentier
Sie definiert klare Zielsetzungen, beinhaltet konkrete Handlungspläne bis 2020, aber allem voran gilt sie als Richtschnur bei allen belangvollen Maßnahmen: das ist die Strategie der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Bei ihrer Durchführung spielen die Ausschüsse der LdU eine elementare Rolle. In einer Serie stellen wir die Vorsitzenden und die Arbeit dieser Gremien vor. Die Reihe beginnt mit Eva Waldmann-Baudentisztl, die den Entscheidungsausschuss für öffentliche Beschaffungen leitet.

▪ Über wesentliche Aufgaben des Ausschusses

„Als ich von Otto Heinek, dem einstigen Vorsitzenden der LdU zuerst angesprochen wurde, bei einem Ausschuss mitzumachen, dachte ich, Kultur oder Bildung wäre etwas für mich. Es hat sich aber anders ergeben, und bin schließlich Mitglied eines Ausschusses geworden, der 'nichts zu tun hat' – dieser falschen Meinung war ich zumindest damals, doch mit der Zeit stellte es sich heraus, dass ich mich gewaltig geirrt habe. Der Entscheidungsausschuss für öffentliche Beschaffungen hat die verantwortungsvolle Aufgabe, über beträchtliche Ausgaben und Erwerbungen der Landesselbstverwaltung zu bestimmen. Im Normalfall handelt es sich dabei um Treibstoff für Dienstwagen, doch in letzter Zeit hat die LdU sogar mehrere Projekte durchgeführt, die einerseits durch Förderungen, andererseits durch Eigenmittel finanziert wurden. Das einschlägige Gesetzt schreibt vor, Beschaffungsmaßnahmen über einem bestimmten Wert in dieser Form zu behandeln. Die Vorlagen werden von den drei Mitgliedern, Magdalena Megyaszai-Mámmel, Tibor Gerlinger und mir eingehend diskutiert, um schließlich eine umsichtige Entscheidung treffen zu können. Für die gründliche Vorbereitung der Diskussionsthemen sind uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LdU-Geschäftsstelle behilflich: sie sammeln all die Hintergrundinformationen, führen Verhandlungen mit diversen Fachleuten, kalkulieren die Finanzen, holen alle Angebote ein. Frau Dr. Hajnalka Gutai, die Leiterin der Geschäftsstelle, Frau Ildikó Tóth-Szabó, die Wirtschaftsleiterin, die Damen von der Wirtschaftsabteilung, sowie Jurist Herr Dr. Attila Buzál arbeiten hart daran, dass wir jedes Mal praktisch einen vollständigen Projektplan mit umfangreichen Recherchen bekommen, damit wir dann die bestmögliche Entscheidung treffen können.“

▪ Über aktuelle Projekte

„Erst vor kurzem wurde die neue Küche und der Speisesaal im Valeria-Koch-Bildungszentrum, der LdU-Schule in Fünfkirchen übergeben – das war ein Teil eines Riesenprojekts. Eine weitere Etappe folgt demnächst: der alte Essraum wird zum Lehrerzimmer umgebaut. Unsere Körperschaft ist unter anderem auch an diesem Projekt beteiligt.“

▪ Über den Beitrag des Ausschusses zur Verwirklichung der LdU-Strategie

„Es liegt auf der Hand, dass bedeutende Investitionen der LdU, wie etwa die eben genannten, wesentlich zur Verwirklichung der Strategie beitragen. Ganz egal, ob es um Renovierungsarbeiten an den Institutionen, um die Erstellung neuer Lehrbücher, oder um die Verwirklichung politischer Ziele geht: sobald das Gesetz eine öffentliche Beschaffung vorschreibt, sind wir mit dabei. Außerdem arbeiten wir alle, die wir als Mitglieder im Ausschuss tätig sind, in unseren eigenen Ortschaften, in engerem Kreise auch in anderweitigen Bereichen und an anderweitigen Zielsetzungen der LdU-Strategie mit. Ich bin beispielsweise Pädagogin, darum liegen mir natürlich die Schulen ganz besonders am Herzen. Ich halte es für sehr wichtig, dass unsere Kinder in modernen, gut ausgerüsteten Bildungseinrichtungen unterrichtet werden, darum muss meiner Meinung nach die Renovierung der in unserer eigenen Trägerschaft funktionierenden Institutionen auch weiterhin Priorität haben.“

▪ Über Eva Waldmann-Baudentisztl

„Ich bin 45, verheiratet und habe zwei Söhne. Ich arbeite in der Wojer Deutschen Nationalitätengrundschule ‚Sankt Stefan‘. Meine Wurzeln habe ich in Niklo. Meine Eltern und Großeltern waren alle Nikloer, und haben mich in dem Bewusstsein erzogen, dass ich zur deutschen Nationalität gehöre. Ich ging im benachbarten Sammet zur Schule, habe mein Abitur im Árpád Gymasium in Totiserkolonie absolviert. Zuerst machte ich mein Deutschlehrerdiplom in Steinamanger, später das Zweitdiplom an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest als Fachfrau für Lehrplanentwicklung.

1992 war ich Mitgründerin des Chors ‚Heimatskreis Niklo‘, dann haben wir 1996 auch eine Tanzgruppe im Dorf gegründet, und als Lehrerin habe ich eine Ausbildung als Tanzleiterin gemacht.

Mein Mann ist ein Ungarndeutscher aus Deutschtewel. Wir haben nach ungarndeutscher Tradition geheiratet, unsere Kinder wachsen zweisprachig auf.

2006 bin ich Mitglied der deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Niklo geworden, und wurde später auch auf Gemeindeebene aktiv: als Mitglied der örtlichen Selbstverwaltung und des Trägerrates des Kindergartens tue ich mein Bestes für das kleine Dörflein und seine Bewohner. Anschließend wurde ich Mitglied, später Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung des Komitates Komorn-Gran, und seit der zweiten Legislaturperiode bin ich auch in der Vollversammlung der LdU tätig. Ich kann also behaupten, dass ich mehrere Bereiche des Selbstverwaltungswesens kennen gelernt habe: ich habe Sachkenntnisse gesammelt, und versuche, meine Aufgaben immer und überall möglichst gut und nützlich zu verrichten.

Auch heute halte ich mich noch an die Anweisungen meiner Großeltern, und versuche den Fleiß, den Glauben, die Vergangenheit und die Mentalität meiner Familie in allen Bereichen meines Lebens vor Augen zu halten. Diese spezielle Identität hat mir noch nie Probleme bedeutet, es war mir immer ganz natürlich, eine Deutsche in Ungarn zu sein.“

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