Post von oben? Achtung, neue Adresse! - Das deutsche Gemeinschaftshaus in Seksard trägt nun den Namen von Otto Heinek

17. Dezember 2018 - 12:18 - Quelle: - 0 kommentier
Namen und Andenken des am 20. August verstorbenen Otto Heinek bewahrt demnächst das Gemeinschaftshaus der Seksarder Deutschen Selbstverwaltung. Der einstige Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen war über zwei Jahrzehnte hindurch aktives Mitglied des deutschen Vereins und der deutschen Selbstverwaltung des Tolnauer Komitatssitzes. Das Haus, in dem der renommierte Nationalitätenpolitiker gerne verweilte, erhielt darum am 15. Dezember auch offiziell seinen Namen. Über Freunde und Kollegen hinaus wohnen der Gedenkveranstaltung auch Frau und Sohn von Otto Heinek bei.

Durch Produktionen der Schauspieler der Deutschen Bühne Ungarn – des von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen getragenen Theaters in Seksard – umrahmt gedachte an der Feierstunde zuerst Olivia Schubert, Vorsitzenden der LdU ihrem charismatischen Vorgänger: „Was ich mit Otto verbinde? Einerseits Wissen und Respekt. Er war sehr belesen, er hat sich für sehr vieles interessiert, und über bestimmte Themen hat er sich auch mit uns immer wieder ausgetauscht. Und dieses Wissen und sein Auftreten haben ihm großen Respekt verschafft. Das andere, was ich mit ihm verknüpfe, ist der Glaube an demokratische Werte und an den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft. Er war davon überzeugt, dass die ungarndeutsche eine starke und zusammengehörende Gemeinschaft ist, die nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft hat. Das dritte, was mir über ihn einfällt, hat mit Gastronomie zu tun. Egal, wohin wir gefahren sind: er wusste immer, wo das beste Restaurant ist und wo man den besten Kaffee trinken kann. Der Politiker, der Repräsentant unserer Gemeinschaft und der Mensch sind in ihm in eine Einheit zusammengeschmolzen. Ich denke, dass dieses Haus würdevoll seinen Namen tragen wird.”

Offizieller Arbeitskontakt und eine langjährige Freundschaft – dies verbindet Richard Tircsi für immer mit Otto Heinek. Der Leiter der Hauptabteilung für Nationalitäten im Ministerium für Humanressourcen rief in seiner Gedenkrede unter anderem auch gemeinsame Dienstreisen in Erinnerung, die auch die Möglichkeit gaben, persönliche Gedankenaustausche zu führen: „Ich bin Otto sehr dankbar dafür, dass er mir immer einen Hauch von seiner Weisheit, von seiner Lebenserfahrung schenkte. Es gab zahlreiche Themen, die uns beiden interessierten: unsere Herkunft, die Geschichte der Ungarndeutschen und unseres Mutterlandes, aber auch Fußball. Wir beide waren Bayern-München-Fans, während der Spiele unserer Mannschaft waren wir immer im SMS-Kontakt mit einander. Wichtig ist zu erwähnen, dass wir nicht immer derselben Meinung waren – ganz im Gegenteil: sehr oft waren wir unterschiedlicher Ansichten, es gab aber niemals Themen, in denen wir nach einer ausgiebigen Debatte nicht hätten einen Kompromiss finden können. Und dies verrät sehr viel über seine Persönlichkeit. Er hinterließ uns Werte: nicht nur das Selbstverwaltungs- und Institutionssystem, das er sich erträumt und schließlich auch verwirklicht hat, sondern auch seine besondere Sichtweise. Wenn irgendein Problem auftauchte, war ich in der Regel beruhigt, weil ich wusste, dass es eine Lösung gibt, die Otto kennt. Er ist unter uns und bleibt auch für immer mit uns, wenn wir über ihn sprechen und auch weiterhin den von ihm eingeschlagenen Weg gehen.“

Dr. Michael Józan-Jilling, Vollversammlungsmitglied der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Vorsitzender der Seksarder Deutschen Selbstverwaltung und bester Freund von Otto Heinek fasste seine Gedanken in Form von einem imaginären Brief zusammen: „Hallo, Otto, im August hast Du mir noch versprochen, dich eine kurze Zeit lang zurückzuziehen, um dich zusammenzuraffen und dir neue Kraft zu schöpfen, damit wir dann die Dinge gemeinsam wieder geraderücken: in Budapest, wie auch landesweit. Seitdem sind aber schon mehr als drei Monate vergangen, und Du hast dich immer noch nicht gemeldet. Darum bleibt mir nichts anderes übrig, als Dir einen Brief zu schreiben. Generell kann ich behaupten, dass das Leben nirgendwo einfach ist – aber ich möchte mich ja nicht beschweren! Die Weinlese in Seksard war sehr gut. Wir sprechen sehr viel über Dich und denken an Dich bei jedem Glas Wein – und das wird für immer so bleiben. Post Scriptum: Ich hoffe auf eine Antwort von Dir, und wenn Du mir schreibst, bitte bei der Adressierung nicht vergessen, über Hrabovszky Straße 10 dies zu schreiben: Otto-Heinek-Gemeinschaftshaus!"

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