25. Festgala der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen wurde im Fernsehen und im Internet übertragen

20. Januar 2021 - 09:22 - Quelle: - 0 kommentier
Die traditionell am 2. Samstag des neuen Jahres, am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen veranstaltete großangelegte LdU-Landesgala konnte im Januar 2021 wegen der Corona-Pandemie leider nicht wie gewöhnlich, als Veranstaltung stattfinden. Darauf ganz zu verzichten musste aber die ungarndeutsche Gemeinschaft doch nicht, denn durch die Unterstützung des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat, und in Zusammenarbeit mit der Redaktion der ungarndeutschen Fernsehsendung „Unser Bildschirm“ von MTVA (Fonds für Medienunterstützung und Vermögensverwaltung) bereitete sich die Landesselbstverwaltung mit einer Fernseh- bzw. Online-Gala vor.

Der erste Teil der Zusammenstellung mit den Grußworten der LdU-Vorsitzenden Ibolya Hock-Englender, mit der Vorstellung der mit der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschen Ausgezeichneten – Dr. Katalin Árkossy (Lehrstuhlleiterin im Germanistischen Institut der Eötvös-Loránd-Universität i.R.), Agnes Szauer (Hochschullehrerin und Hauptabteilungsleiterin i.R.) und Maria Wolfart-Stang (wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrerin i.R.) –, sowie mit einer bunten Auswahl von Produktionen der Galaprogramme der Vorjahre wurde am 12. Januar in "Unser Bildschirm" gesendet.

Der zweite Teil – unter anderem auch mit der Vorstellung der diesjährigen Valeria-Koch-PreisträgerInnen: András Bogár-Szabó (Friedrich-Schiller-Gymnasium Werischwar), Anett Eliza Emmert (Ungarndeutsches Bildungszentrum Baje), Krisztina Tavaszi (László-Lovassy-Gymnasium Wesprim), Eva Weimert (Kindergartenpädagogin, Absolventin der József Eötvös Pädagogischen Hochschule Baje) – wurde am 19. Januar in demselben Fernsehprogramm gezeigt.

Auch die Sendung "Dokuzóna" bringt bald eine 52minütige Zusammenstellung; Sendezeiten: 25. Januar (Montag) 22:30 Uhr, Duna World, Wiederholung: Samstag (30. Januar) 23:30 Uhr, Duna World, und demnächst präsentieren wir auf dem YouTube-Kanal der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen die Online-Version der Gala.

„Im Jahr 2020 hat sich die Welt um uns herum verändert, die Corona-Pandemie hat uns alle sowohl im Privaten- wie auch im Berufsleben hart getroffen“, betonte in ihrer Ansprache LdU-Chefin Hock-Englender. „Wir möchten unser heutiges Galaprogramm all den Freunden und Mitstreitern widmen, die von der Krankheit betroffen worden sind und sie nicht besiegen konnten. Die Situation hat uns auch gelehrt, wie wichtig Werte sind, die wir oft nicht mehr beachtet haben – wie Gesundheit, menschliche Kontakte, Nächstenliebe.“

Die Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum ist die höchste ungarndeutsche Auszeichnung, die von der Landesselbstverwaltung 1995 gegründet, und 1997 in der ersten Landesgala das erste Mal verliehen wurde. Die Auszeichnung kann jedes Jahr Ungarndeutschen, anderen ungarischen Staatsbürgern, sowie Ausländern verliehen werden, die im Interesse der Volksgruppe Hervorragendes geleistet haben und durch ihre Tätigkeit zur Bewahrung der Sprache, des materiellen und geistigen Kulturerbes, sowie der historischen Tradition des hiesigen Deutschtums beigetragen haben. Die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen entscheidet aufgrund der im Voraus eingereichten Vorschläge über die Vergabe von jährlich drei Auszeichnungen.

Die Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum wurde im Jahr 2021 auf Vorschlag der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung ihres Wohnortes Gran an Dr. Katalin Árkossy verliehen.

In der ungarndeutschen Gemeinde Sanktiwan war die Familie Osztheimer, aus der Dr. Katalin Árkossy stammt, beheimatet. Nach ihrem Studium der Germanistik und des Faches „ungarische Sprache und Literatur“ an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest beschäftigte sich Dr. Árkossy sowohl in ihrer Diplomarbeit als auch in der Doktorarbeit mit Sprache und Gesellschaft des ungarndeutschen Bergmannsdorfes, aus dem sie kommt: damit, wie Brauchtum und Kulturgut der Ungarndeutschen trotz erzwungener Assimilationsversuche bewahrt werden können. Ihre Forschungen behandeln unter anderem auch die Möglichkeiten der Kulturtradierung und der Erneuerung kultureller Identität durch das Kennenlernen der Kultur im Dialekt.

Während ihrer Tätigkeit am Germanistischen Institut der Eötvös-Loránd-Universität Budapest leitete sie jahrelang den Lehrstuhl für Fachdidaktik. Nach der Gründung des Ungarndeutschen Forschungs- und Lehrerbildungszentrums durch Prof. Dr. Karl Manherz im Jahre 1994 übernahm sie die Aufgabe der Organisation und Koordination ungarndeutscher und zweisprachiger Lehrerfortbildungen und postgradualer Ausbildungen, beteiligte sich an der Gestaltung des neuen Bildungskonzeptes und des Leitbildes für das ungarndeutsche Bildungswesen, redigierte eine ungarndeutsche pädagogische Fachzeitschrift, etablierte ein postgraduales Studiums für Lehrplanentwicklungen und Zertifikat für Sprache und Literatur der Ungarndeutschen, organisierte einen Zusatzstudiengang für den deutschsprachigen Fachunterricht und zahlreiche Projekte mit deutschen Nationalitätenschulen sowie mit der Universität Eichstätt. Frau Dr. Árkossy ist seit 2006 Abgeordnete der Ungarndeutschen Selbstverwaltung in Gran.

Im Jahre 2021 bekam auf die Initiative der Deutschen Selbstverwaltung Kier, auf Vorschlag der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltungen der Tolnau und Raab-Wieselburg-Ödenburg auch Agnes Szauer die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“.

Die Wurzeln binden sie an Kier im Komitat Tolnau. Nach dem Abitur studierte sie in an der Hochschule in Fünfkirchen, wo sie ihr Diplom als Lehrerin für Russisch und Deutsch erwarb. Später absolvierte sie an der ELTE einen Studiengang für deutsche Sprache und Literatur. Kindheitserlebnisse und die deutsche Muttersprache, die sie von ihrer Mutter erlernt hatte, bestimmten ihren ganzen Lebensweg: Zu Hause gelernte ungarndeutsche Lieder, Tänze und Geschichten bildeten eine feste Basis für ihre vielseitige Tätigkeit.

15 Jahre lang unterrichtete sie werdende deutsche Nationalitätenkindergärtnerinnen an der Hochschule von Ödenburg, leitete neue Methoden in der Nationalitätenkindergartenpädagogik ein. An der Apor-Vilmos-Hochschule in Waitzen bildete sie angehende Deutschlehrerinnen und -lehrer aus. Auch zurzeit nimmt sie an der Ausbildung ungarndeutscher Kindergarten- und Grundschulpädagogen an der Eötvös-Loránd-Universität teil.

Etwa 15 Jahre verbrachte sie als Hauptabteilungsleiterin des Amtes für Nationale und Ethnische Minderheiten.

Sie lebt in Budapest, aber in ihrem Heimatort Kier war und ist sie Stifterin und Organisatorin zahlreicher ungarndeutscher Veranstaltungen. Die Verwirklichung vieler Initiativen – so die Gründung einer Stiftung, Teilnahme an der Etablierung eines Nationalitätenlehrstuhls, das Erscheinen zahlreicher Bücher über Geschichte, Kultur und Küche ihres Heimatdorfes, sowie ethnographische Aktivitäten, Ausstellungen – sind ihr zu verdanken. Sie hielt zahlreiche Vorträge an diversen Konferenzen und Universitäten in ungarndeutschen Themen.

Maria Wolfart haben auf die Initiative der Deutschen Selbstverwaltung des 13. Bezirks von Budapest die Hauptstädtische Deutsche Nationalitätenselbstverwaltung für die Auszeichnung „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“ vorgeschlagen.

Die aus Bawaz, aus der Familie Stang stammende Mittelschullehrerin für Deutsch und Ungarisch unterrichtete an den deutschen Nationalitätengymnasien in Budapest, Fünfkirchen und auch in Werischwar. Talentförderung war für sie immer wichtig, und sie vermittelte während ihrer ganzen pädagogischen Laufbahn nicht nur fundierte Kenntnisse, sondern durch eigenes Engagement und Lebensführung auch Haltung, Werte, Einstellung. Auch dem ist es zu verdanken, dass viele von ihren ehemaligen Schülerinnen und Schülern aktive Mitgestalter der ungarndeutschen Szene sind.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Germanistischen Institutes der Eötvös-Loránd-Universität Budapest arbeitete sie unter anderem am ungarndeutschen Sprachatlas und befasste sich mit Sprachgeschichte und Dialektologie.

Auf drei Ebenen gestaltete sie zehn Jahre lang – und gestaltet zum Teil bis heute – die deutsche Nationalitätenpolitik mit: in der Selbstverwaltung ihres Wohnbezirkes, des 13. Bezirkes der Hauptstadt, in der der Stadt Budapest, und auch in der Vollversammlung und im Bildungsausschuss der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen arbeitete sie jahrelang mit. Seit seiner Gründung 2019 ist sie Vorsitzende des Otto-Heinek-Legats.

Seit den 1970er Jahren nahm sie an der Übersetzung von Lehrwerken ins Deutsche für die ungarndeutschen Gymnasien teil. Nach der Einführung der zweistufigen Matura wirkte sie an der Ausarbeitung der Anforderungen und Vorgaben für das Fach Volkskunde mit und beteiligte sich auch an der inhaltlichen und fachlich-pädagogischen Gestaltung der mittelfristigen Bildungsstrategie der LdU („Wurzeln und Flügel“). Sie ist als Jurymitglied bei Rezitationswettbewerben ständig präsent.

Zahlreiche Publikationen tragen ihren Namen. Eine ganz besondere Bedeutung mit persönlichem Bezug hat für sie die Monographie „In Memoriam Valeria Koch, die es hätte geben können“ (2019).

Maria Wolfart spendet die mit der Auszeichnung verbundene Geldprämie ihrem Herkunftsort Bawaz für die Restaurierung und Renovierung der Orgel der örtlichen katholischen Kirche.

Anlässlich des Tages der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen wird an verdiente Jugendliche der Valeria-Koch-Preis verliehen. Diese Auszeichnung – die dieses Jahr bereits zum 18. Mal vergeben wurde – erhalten einerseits Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen, die eine hervorragende schulische Leistung an den Tag gelegt haben und sich für die Pflege des ungarndeutschen Kulturerbes besonders eifrig einsetzen; andererseits Hochschulabsolventinnen bzw. Hochschulabsolventen für ihre Diplomarbeit über ein ungarndeutsches Thema.

Mit dem Preis wurde zum einen die ganz besondere traditionspflegende Tätigkeit eines Abiturienten des Friedrich-Schiller-Gymnasiums Werischwar geehrt. Der im Herzen der Großen Ungarischen Tiefebene, in Kerekegyháza lebende András Bogár-Szabó ist zweisprachig aufgewachsen. Obwohl es in der Nähe seines Wohnortes keine aktive ungarndeutsche Gemeinschaft gibt, fand der identitätsbewusste junge Mann die zu ihm passende Art der Kultur- und Traditionspflege: er fertigt beeindruckende, oft preisgekrönte Stop-Motion-Animationsfilme – unter anderem auch zu ungarndeutschen Themen – an. Die Inspiration dazu bekommt er im Volkskundeunterricht. Seine Trilogie „Johanns Weg“ behandelt die Ansiedlung der Ungarndeutschen, die Vertreibung, sowie die für die heutigen Jugendlichen vorhandenen Möglichkeiten, ihre ungarndeutsche Identität zu leben. Bereits mehrmals nahm er erfolgreich am ungarndeutschen Jugendfilmfest „Abgedreht“ vom Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrum und Bibliothek in Budapest teil.

András Bogár-Szabó ist aktives Mitglied und Jugendleiter des Vereins für Ungarndeutsche Kinder.

Er möchte an der Technischen Universität Budapest Informatik auf Deutsch studieren.

Die nach der jung verstorbenen ungarndeutschen Dichterin benannte Auszeichnung geht dieses Jahr auch an eine Schülerin des Ungarndeutschen Bildungszentrums Baja. Die Zwölftklässlerin Anett Eliza Emmert ist mehrsprachig aufgewachsen: in ihrer Familie dienen neben dem Hochdeutschen auch zwei Dialekte als Verkehrssprache. Besonderer Familienhintergrund und ausgeprägte persönliche Überzeugung dienen als Motivation zu ihrer vielseitigen traditionspflegenden Tätigkeit. Sie ist Mitglied der Volkstanzgruppe ihrer Schule, singt im Schulchor, und auch im Gesangkreis „UBZ-Nachtigallen“ mit, nimmt regelmäßig an Deutsch- und Rezitationswettbewerben teil, macht bei Abgedreht mit, ist stolze Besitzerin des „Ulmer-Schachtel-Führerscheins“, der sie berechtigt, Besuchergruppen das auf dem Gelände der Schule stehende Einwanderungsdenkmal vorzustellen, und nimmt regelmäßig und aktiv an Programmen des Batschkaer Deutschen Kulturvereins teil.

Ein jedes Mitglied ihrer Familie spielt ein Instrument – Eliza Querflöte –, und auch als Familie treten sie gerne an ungarndeutschen Veranstaltungen auf.

Eliza ist aktives Mitglied der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher und pflegt auch Kontakte zu jungen Donauschwaben weltweit.

Sie möchte Nationalitätenkindergärtnerin werden.

Den Valeria-Koch-Preis erhält auch eine Schulabgängerin des deutschen Nationalitätenklassenzuges des László-Lovassy-Gymnasiums Wesprim. Krisztina Tavaszi lebt in Rendek/Ajkarendek, in einer identitätsbewussten Familie, wo der aktive Einsatz für die Pflege des ungarndeutschen Kulturerbes in mehreren Generationen natürlich ist. An der Arbeit der örtlichen Kulturvereine sowie der deutschen Selbstverwaltung von Rendek nimmt sie seit vielen Jahren aktiv teil: Zu tanzen begann sie in der Volkstanzgruppe ihres Kindergartens; sie ist gerne und regelmäßig als Moderatorin von Nationalitätenveranstaltungen, als Vorleserin an deutschsprachigen Messen tätig; als Mitglied des Deutschen Nationalitätensingkreises beteiligte sie sich an der Erstellung eines Gesangbuches, wirkt als Tonschneiderin des Rendeker Mundart-Wörterbuches mit, und plant, in der kommenden Wahlperiode auch als Abgeordnete an der Arbeit der örtlichen deutschen Selbstverwaltung einzusteigen.

Als Schülerin nahm und nimmt sie oft an Rezitations- und Sprachwettbewerben teil, und ist aktive Mitgestalterin des Nationalitätenlebens ihres Gymnasiums.

Mit ihrer Schwester zusammen erforscht sie den Stammbaum ihrer Familie.

Sie möchte Ärztin werden.

Die Essgewohnheiten der Ungarndeutschen nahm Hochschulabsolventin Eva Weimert unter die Lupe, die mit ihrer an der József Eötvös Pädagogischen Hochschule Baja geschriebenen Diplomarbeit die Valeria-Koch-Auszeichnung verdient hat. Die aus Willand stammende junge Frau befasste sich in ihrer Arbeit vor allem mit den Merkmalen der ungarndeutschen Küche und mit dem Vergleich von veröffentlichten Rezeptbüchern. Ihre Arbeit basiert auf den gültigen Dokumenten des ungarndeutschen Bildungswesens und stellt vor, mit welchen Inhalten und Methoden in den Nationalitätenkindergärten Traditionen kindgemäß vermittelt und gepflegt werden sollen.

Eva Weimert ist seit ihrer Kindheit an kulturell aktiv: Als Kind tanzte sie in der Willander Kindertanzgruppe. Seit der dritten Klasse spielt sie Saxofon, und ist seit vielen Jahren stolzes Mitglied der Willander Jugendblaskapelle.

Sie besuchte das Valeria-Koch-Gymnasium in Fünfkirchen, und beteiligte sich auch an der traditionspflegenden Tätigkeit der schulischen Blaskapelle.

Nach dem Abitur studierte sie an der Eötvös József Pädagogischen Hochschule Baja, und ist seit 2020 studierte Nationalitätenkindergärtnerin. Ein Semester verbrachte sie in Deutschland.

Eva Weimert ist Jugendleiterin des Vereins für Ungarndeutsche Kinder.

Seit August 2020 arbeitet sie im Wetschescher Kindergarten, wo sie den Kindern Sprache und ungarndeutsche Traditionen weitergeben möchte, und wo sie sich auch der Tanzgruppe der Mitarbeiterinnen angeschlossen hat.

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